Von Paris bis Athen - Die Bewegungen gegen den “Bologna-Prozess”
Von Paris bis Athen - Die Bewegungen gegen den “Bologna-Prozess”
Seit den frühen 90ern wird versucht die europäischen Bildungssysteme an einander anzupassen („Bologna-Prozess“). Doch Angleichung bedeutet für die Betroffenen oftmals, das Schlechte von einem System um das Schlechte des anderen zu ergänzen. Auch steckt dahinter mehr als eine „Harmonisierung“ der Bildungssysteme: Im Zuge vermeintlich unumgänglicher Reformen werden Löhne der Beschäftigten im Bildungsbereich und deren Arbeitsrechte durch „Einsparungen“ beschnitten, werden Leistungssysteme eingeführt in denen die relative persönliche Wahlfreiheit der Zubildenden durch Zeitdruck und Schikanen unterschiedlichster Art ersetzt. Soll durch Verschulung der Unis eine StudentInnentyps erzeugt werden, der angepasst und unreflektiert trotz aller ökonomischen und bürokratischen Hemmnisse in Mindestdauer durch das Studium steuert – anstatt sich in Ruhe und Freiheit lebens- und wirklichkeitsnah weiterzuentwickeln. Und nicht zuletzt: werden jene, denen es ohnedies schon immer schwer gemacht wurde an höherer Bildung teilzuhaben noch stärker rausgedrängt und ausgeschlossen. Werden soziale Hierarchien festgeschrieben.
Der Widerstand gegen diese Reformen findet überall in Europa statt. Auch hierzulande.
Doch was macht ihn mancherorts erfolgreicher als hier? Warum konnte trotz wiederkehrender studentischer Bewegungen kein nennenswertes Reformvorhaben einer Regierung verhindert werden? Warum bleiben die Gräben zwischen „AkademikerInnen“ trotz deren teilweise (Re)Proletarisierung und den (anderen) „ArbeiterInnen“ unvermindert groß – warum werden kaum Anknüpfungspunkten zu anderen sozialen Bewegungen gefunden? Warum halten so viele StudentInnen an offensichtlich längst überkommenen sozialpartnerschaftlichen Vertretungsmodellen fest – obwohl deren greifbaren Erfolge im wesentlichen in der Anpassung unrealistischer Vorhaben der Obrigkeit an die Wirklichkeit bestehen? Muss Widerstand am Kopf oder an der Basis ansetzen? Wie breit kann er werden und wo kann er ansetzen? Wie kann Selbstorganisation der in Bildung und Wissenschaft Beschäftigten erfolgreich sein und welche gesellschaftlichen Perspektiven kann sie entwickeln?
Hierzu wollen wir nach kurzen Einleitungsreferaten auf die soziale Bewegung im Bildungsbereich in Frankreich, Griechenland, Serbien, Deutschland und Österreich eingehen und diese miteinander vergleichen. Ein Aktivist aus Lille (Frankreich) wird uns über seine Erfahrungen mit sozialen Bewegungen im Bildungsbreich schildern. Anschließend wollen wir mit Euch darüber diskutieren!
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