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Lese-Tipp!

 

Die großen Streiks

Episoden aus dem Klassenkampf

Holger Marcks und Matthias Seiffert (Hg.)

Die großen Streiks umfasst eine Reihe von bedeutenden und kämpferischen Streiks des 20. Jahrhunderts, die weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Vom einfachen Lohnkampf bis zum Generalstreik, vom Erfolg auf ganzer Linie bis zum totalen Fiasko.

Alle AutorInnen sind entweder aktive GewerkschafterInnen (SyndikalistInnen), Angehörige der libertären Bewegung oder stehen dieser nahe. Die in den jeweiligen Beiträgen gelieferte Perspektive baut somit unmittelbar auf deren praktischen und theoretischen (Erfahrungs-)Horizont auf. Weiterlesen...

 

Update 2.11.09: Die Bewegung auf den Unis weitet sich aus!

Ausgehend von der Akademie der bildenden Künste weiten sich die Proteste und Besetzungen auf immer mehr Universitäten und Institute aus.

Informationen zur Besetzung der Akademie der bildenden Künste
http://www.malen-nach-zahlen.at

Informationen zur Besetzung  des Audimax und anderen Aktionen auf den Unis in Österreich
http://unsereuni.at/

Die Ereignisse überschlagen sich förmlich, sodass ein Flugblatt schnell unaktuell wird. Im Anhang ist der aktuelle Text des AS:WI mit Anregungen zu den Protesten, die teilweise zwischenzeitlich schon in der Praxis umgesetzt wurden, und hoffentlich noch auf weiteren Unis und Instituten aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

Aus gegebenen Anlass mußten wir aber den Text korregieren. Grund ist eine u.a. von linken Kleinstparteien forcierte Diskussion um die Hierarchisierung bzw. Zentralisierung des Protests. Hierbei wird u.a. die Wahl von "SprecherInnen" oder "Komitees" gefordert. Damit sind offenbar nicht die schon längst bestehenden und zumindest zum Teil recht gut funktionierenden "Arbeitsgruppen" gemeint.  Freilich sollten auch diese AG´s dem Plenum Rechenschaft ablegen bzw. von diesem ihren Auftrag haben, wenn sie im Auftrag und im Namen der gesamten Bewegung aktiv werden. Es besteht aber überhaupt kein plausibler Grund deshalb ein hierarchisches Modell einzurichten. Oberste Instanz ist die jeweilige Vollversammlung (Plenum), und das nicht nur symbolisch wie in der bürgerlichen Demokratie, sondern ganz real, weil sie letztlich alle - die Gesamtheit der Bewegung betreffenden - gültigen Entscheidungen trifft. Daneben können sich natürlich auch hunderte unabhängige Gruppen treffen und machen und entscheiden was sie für richtig halten, die Entscheidungen und Tätigkeiten betreffen eben nur sie selbst und nicht die Gesamtheit. Die Probleme die möglicherweise zwischen dem Plenum und den AG´s auftreten sind allerdings meist wohl Kommunikationsprobleme, die es freilich zu lösen gilt, sofern es vom Plenum als notwendig befunden wird.

Nun  soll es hier nicht um Wortklauberei gehen (ob es jetzt AG heißt oder anders), sondern das, was damit gemeint oder bezweckt bzw. worauf es hinauslaufen wird.
Die Stärke der Bewegung auf den Unis ist bislang gerade ihre klar basisdemokratische Organisierung gewesen. Dieser Aspekt hat nicht nur ermöglicht, dass sich dem Protest immer mehr Betroffene anschließen, er ermöglicht jedem und jeder gleichberechtigt mitzuwirken. Im Übrigen haben die Proteste ursprünglich u.a. auch deshalb eine so große mediale Öffentlichkeit bekommen.
Wenn nun einige PolitikerInnen (und solche die noch welche werden wollen) und MedienvertreterInnen gerne zentrale Ansprechpersonen haben wollen, dann können sie das ruhig wollen, bekommen sollten sie es nicht.
Für einzelne Problemstellungen können wie bisher Leute für den Zeitraum der Bewältigung einer konkreten Aufgabe (etwa die Teilnahme an einer Fernsehdiskussion) von der Vollversammlung ausgewählt werden. Einzelnen Leuten oder Gruppen allerdings über einen längeren Zeitraum die Kompetenz zu geben im Namen der Gesamtheit Entscheidungen zu treffen oder für sie zu sprechen beinhaltet nicht nur die Gefahr der Hierarchisierung, Abkoppelung und Ent-Aktivierung der Betroffenen, es ist bereits eine Hierarchisierung, eine  Abkoppelung und eine Ent-Aktivierung der Betroffenen.

Die Mehrheitsentscheidung in der Vollversammlung wird manchmal ausreichend sein, sie sollte aber nicht als heilige Kuh behandelt werden. Es gibt grundsätzliche Fragen, die weit mehr als nur der aktiven Unterstützung einer Mehrheit bedürfen, andererseits ist es auch nicht sinnvoll, wenn Leute über Probleme befinden, von denen sie selbst nicht betroffen sind, sondern nur eine Minderheit. Wenn etwa die am Protest beteiligten Nicht-EU-MigrantInnen, Frauen, LektorInnen oder Uniangestellten beispielweise (also Teile der Bewegung, welche mit eigenen Problemlagen konfontiert sind), eigene Entscheidungsgremien bilden, deren Entscheidungen sie selbst betreffen, etwa die Verfassung einer Erklärung oder eigenständiger Aktionen, dann ist es nicht nur legitim sondern sehr sinnvoll, wenn das die direkt Betroffenen unter sich ausmachen. Das heißt auch, vor der Klärung eines Problems, noch bevor es zu Mehrheitsabstimmungen kommt, sich auch über die Betroffenheit - etwa in der AG - Gedanken zu machen und darüber, ob und wie darüber abgestimmt wird. Das Ergebnis kann dann ebenso in das Plenum eingebracht werden, wie der Vorschlag selbst.

Ein letzter Aspekt sei hier noch angesprochen: Unserer Meinung nach sollte nicht so sehr, wie es sehr viele TeilnehmerInnen der Proteste tun, bei jeglicher Überlegung auf die bürgerlichen bzw. kommerziellen Massenmedien Rücksicht genommen werden. Die schreiben einmal gut und einmal schlecht über die Proteste, je nachdem welche Schlagzeile sich ihrer Meinung nach gerade besser verkauft oder politisch opportun erscheint.

Der Protest ist dann am stärksten wenn er
- alle Betroffenen die sich wehren wollen gleichberechtigt einbindet
- durch sich selbst spricht

Und bislang hat er das ganz unmißverständlich getan!
Die direkteste Sprache ist jene der Direkten Aktion!